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Interview

Wie sind Sie Stylistin geworden und warum?
Ich habe zuerst in Mailand als Model, also vor der Kamera gearbeitet. Es zog mich aber sehr stark hinter die Kamera und nach ersten Aushilfsjobs bei Stylisten in Mailand habe ich dann nach meiner Rückkehr hier in München als Stylistin zu arbeiten begonnen.

Was hat Sie an diesem Beruf fasziniert?
Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Mode und in gewisser Weise habe ich wohl auch ein Talent dafür! Ein Stylist ist wie ein Regisseur, der sich auf immer neue Geschichten und Gegebenheiten einlassen und sich in die unterschiedlichsten Themen hineindenken muss.

Was waren Ihr tollsten Jobs?
Die "ohne Anwesenheit" der Kunden!

Warum wollten Sie nicht mehr Stylistin sein?
Mit der Zeit wurden die Vorgaben zunehmend einengend. Ich wollte selbst Regisseur sein und nicht mehr die Themen vorgegeben bekommen.

Wie ist die Idee zu Ihrem Unternehmen KleideKunst entstanden?
Durch meine Arbeit mit der Fotografin Gabo hatte ich öfters mit Prominenten zu tun und wurde immer öfters um meinen Rat gebeten. Daraus entstand dann schließlich die Idee, individuelle Einfälle für unterschiedliche Charakters bzw. Trägerinnen zu entwickeln. Und da "Kleiden eine Kunst" ist, war der Name "Kleidekunst" naheliegend.

Was ist die Philosophie von KleideKunst?
Ich bin der Meinung, dass „jeder Mensch etwas besonders Schönes und Einzigartiges“ hat, die Herausforderung ist es, genau das zu betonen und zur Geltung zu bringen. Auf die Besonderheiten muss ein „Spot“ gesetzt werden und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, den Menschen zu helfen, ihre Einzigartigkeit zu entdecken. Allerdings müssen meine potentiellen Kunden auch bereit sein, an sich zu arbeiten und das ist keinesfalls eine Geldfrage, sondern vor allem eine Frage des Willens. Denn viele sind einfach zu faul, sich damit auseinanderzusetzen. Letztlich ist es wie bei Schmuck, ein Edelstein erfährt erst durch den Schliff seine Besonderheit!

Worin unterscheidet sich das Konzept von KleideKunst von dem einer normalen Stylistin oder Einkaufsberaterin? Was ist das Besondere an KleideKunst?
Ein Stylist verwirklicht hauptsächlich Ideen und hat seine festen Vorgaben. Ich betrachte das ganze Umfeld, d.h. die finanzielle Situation, den Beruf, die Freunde, die Figur, wo steht ein Mensch, und wie möchte er oder sie wirken. Ich glaube ich habe ein Talent, das zu erkennen und gehe da auch viel nach meinem Bauchgefühl. Vor allem betrachte ich mich als "Stilcoach". Ich möchte meinen Kunden helfen, Ihren eigenen Stil zu finden und sobald dieses „AHA-Erlebnis“ eingetreten ist, werde ich nicht mehr gebraucht. Es geht mir nicht vordergründig darum, alle Kunden ein Leben lang zu betreuen. Ich führe Sie zu ihrem Stil und nach einer Zeit sollte dieser alleine umgesetzt werden können.

Was ist eine Kleiderschrankinventur?
Eine Bestandsaufnahme von Sachen die bleiben (+), Sachen die gehen (-) und Sachen die fehlen!

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?
Die Freude und Begeisterung auf beiden Seiten, wenn wir den Stil erkennen. Da fließt eine unglaubliche Energie und das ist ein großes Glücksgefühl!

Was sind die Erfolgserlebnisse in diesem Job?
Wenn meine Kunden sich schnell selbständig stilvoll kleiden, das von mir Gelernte in die Tat umsetzen und vor Begeisterung neue Kunden bringen!

Wie möchten Sie sich weiterentwickeln?
Ich berate mehr und mehr auch Unternehmen. Denn gerade im Business-Umfeld tun sich viele Menschen schwer, ihren individuellen Typ und ihren eigenen Stil zu leben. Doch sogar, wenn es einen offiziellen Dresscode gibt, lässt das immer noch viel Spielraum für eine individuelle Interpretation. Das erarbeiten wir in Workshops, die dann meist zu sehr inspirierenden und motivierenden Teambuildings werden.

Warum gibt es so viele Menschen ohne Stil?
Weil Menschen sich dafür viel zu wenig Zeit nehmen, zu wenig Disziplin haben, zu viel nachahmen und vor allem zu faul sind. Es ist ja viel bequemer, einfach jemand anderen zu imitieren. Aber die Authentizität fehlt dann. Und das ist wie gesagt keine Geldfrage! Man sollte ein eigenes Standing entwickeln und dafür braucht man Mut, aber dann bekommt man auch ein größeres Selbstwertgefühl. Ein sehr interessanter Aspekt ist, dass unsere Mütter oder die Mütter von jungen Frauen oft mehr Stil haben, als ihre Töchter selbst. Meine Mutter und ihre Freundinnen haben sich früher alles selbst genäht oder nähen lassen. Sie haben im Vorfeld genau geprüft, ob der Stoff wirklich gut zu Ihnen passt und die Form und der Schnitt des Entwurfes stimmen. Es gab damals einfach nicht so viele Möglichkeiten und bevor ein feiner, teurer Stoff zerschnitten wurde, hat man sich das genauestens überlegt. Wir bewundern doch immer die alten Fotos und alten Filme – warum wohl? Heute sind diese Frauen (unsere Mütter), also 60-70jährige oftmals viel stilsicherer und gepflegter als die Jugend.

Ist das ein besonders deutsches Syndrom oder ein weltweites?
In Italien geht der Vater mit dem Sohn den ersten Anzug kaufen und das ist eine große Sache! So etwas gibt es bei uns nicht. Die Deutschen sind zu bequem und zu konservativ und immer darauf bedacht, bloß nicht aufzufallen. Es fehlt uns an Phantasie und Experimentierfreudigkeit. Aber ich würde nicht sagen, dass das ein "deutsches Phänomen" ist, denn schauen Sie sich nur einmal die Amerikaner an!

Frau Oexle wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Schmalschläger.

Person
Mischa Oexle - Outfitberatung & Styling
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